Wenn du Bock hast, Taschengeld zu verdienen – dann mach das!

Schiedsrichter: Mehr als nur der Mann mit der Pfeife

„Am Anfang waren es schon das Taschengeld und die freien Eintritte zu allen DFB-Spielen“, sagt Vincent Mönner und muss dabei selbst schmunzeln. Der 16-Jährige weiß, dass diese Antwort viele Jugendliche sofort verstehen. Doch wer ihm einige Minuten zuhört, merkt schnell: Längst geht es für ihn um viel mehr als ein paar Euro oder kostenlose Stadionbesuche.

Es geht um Verantwortung. Um Entscheidungen. Um Persönlichkeit.

Während im Profifußball Stars wie Kimmich, Undav oder Schlotterbeck auf den Pfiff des Schiedsrichters warten, beginnt jede Schiedsrichterkarriere auf kleinen Sportplätzen – so wie beim FC BSW Lausitz. Dort kämpft der Verein seit einigen Jahren gegen ein Problem, das viele Fußballvereine kennen: Es fehlen Schiedsrichter. Statt die Entwicklung einfach hinzunehmen, entschied sich der Verein, aktiv zu werden.

Am Freitag lud der FC BSW Lausitz deshalb erneut zu einer besonderen Informationsveranstaltung ein. Bereits mehrfach war Bundesliga-Schiedsrichter Richard Hempel zu Gast, um von seinem Weg zu erzählen und jungen Menschen Mut zu machen, selbst zur Pfeife zu greifen.

Dass diese Idee funktioniert, zeigt Vincent Mönner.

Seit 2019 spielt er beim FC BSW Lausitz. Schiedsrichterbeauftragter Max Köhler sprach ihn damals auf das Amt an. Mit gerade einmal 13 Jahren absolvierte Vincent den Schiedsrichterlehrgang.

„Vor meinem ersten Spiel war ich unglaublich aufgeregt“, erinnert er sich. In der Kabine warteten zwei Mannschaften mit zehnjährigen Kindern. „Ich habe mich gefragt, ob die überhaupt auf mich hören würden.“ Die Sorge verschwand jedoch schnell. Schon nach den ersten Spielen merkte er, wie viel Freude ihm die Aufgabe machte.

Die größere Herausforderung kam später.

Mit gerade einmal 15 Jahren leitete Vincent sein erstes Männerspiel. „Da merkt man schon die Vorurteile. Da kommt ein Jugendlicher und soll uns pfeifen – kann der das überhaupt?“ Solche Situationen müsse man ausblenden. Fehler gehörten dazu. Entscheidend sei, aus ihnen zu lernen und beim nächsten Spiel besser zu werden.

Auch mit Kritik müsse jeder Schiedsrichter umgehen können.

„Das passiert eigentlich bei jedem Spiel“, erzählt Vincent. Wenn Spieler oder Zuschauer eine Entscheidung nicht akzeptieren wollen, versuche er zunächst ruhig zu erklären, warum er so entschieden habe. „Und wenn das nichts bringt, dann gehe ich irgendwann einfach weiter. Es bringt nichts, sich auf jede Diskussion einzulassen.“

Genau diese Erfahrungen seien es, die junge Menschen persönlich weiterbringen.

„Man lernt zu kommunizieren, ruhig zu bleiben und mit Stress umzugehen“, sagt Vincent. Wenn ein deutlich älterer Spieler oder ein aufgebrachter Vater laut werde, müsse man seine Emotionen im Griff behalten. Fähigkeiten, die weit über den Fußball hinaus wichtig seien.

Für Max Köhler ist genau das einer der größten Werte des Schiedsrichteramtes.

Der 24-Jährige kam vor fünf Jahren als Schiedsrichter zum Verein und bemerkte schnell, wie groß der Mangel im Verein war. Weil für jede Großfeldmannschaft Schiedsrichter gestellt werden müssen, drohten Strafen und Punktabzüge. Weniger Mannschaften kamen jedoch nicht infrage.

„Also mussten wir den Schiedsrichterbereich aufbauen“, sagt Köhler.

Aus dieser Not entstand vor drei Jahren das inzwischen etablierte Schiedsrichter-Event des FC BSW Lausitz.

Doch es geht dem Verein längst nicht mehr nur darum, die vorgeschriebenen Zahlen zu erfüllen.

„Wir wollen unsere Schiedsrichter fördern“, betont Köhler. Gerade junge Menschen hätten die Möglichkeit, sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln und vielleicht sogar höhere Spielklassen zu erreichen.

Dabei sei die größte Hürde häufig gar nicht das Amt selbst, sondern dessen Image.

„Wenn tausend Spiele problemlos laufen, spricht niemand darüber. Wird einmal irgendwo ein Schiedsrichter angefeindet, ist das sofort überall Thema“, sagt Max Köhler. Dieses Bild schrecke viele Jugendliche und deren Eltern ab. Informationsveranstaltungen wie diese seien deshalb wichtig, um zu zeigen, wie vielseitig und wertvoll das Schiedsrichterwesen tatsächlich sei.

Unterstützung endet beim FC BSW Lausitz nicht mit dem bestandenen Lehrgang.

Seit drei Jahren gibt es beim DFB die Schiedsrichter Paten. Jeder neue Schiedsrichter erhält einen erfahrenen Paten an die Seite. Gemeinsam werden Spiele ausgewertet, Fehler besprochen und Erfahrungen weitergegeben. Niemand soll mit seinen ersten Einsätzen allein gelassen werden.

Ein Prinzip, das auch Richard Hempel aus eigener Erfahrung kennt.

Der 28-Jährige aus Großnaundorf begann bereits mit 13 Jahren als Schiedsrichter im Fußballkreis Westlausitz. Seit 2023 ist er hauptberuflicher Schiedsrichter. Mit Beginn der Saison 2026/27 erfüllt sich nun sein größter Traum: Er gehört zum Schiedsrichterkader der 1. Bundesliga.

Seinen Weg beschreibt Hempel als ständiges Lernen.

„Jedes Wochenende ist anders. Neue Spieler, neue Situationen, neue Entscheidungen.“ Besonders wichtig sei es, Spiele immer wieder zu analysieren und aus Fehlern zu lernen.

Dass er heute dort steht, wo er steht, schreibt er auch seiner Familie zu. Vor allem sein Vater habe ihn über Jahre begleitet, sei zu Spielen gefahren und habe jede Leistung gemeinsam mit ihm ausgewertet.

Während seines Vortrages zeigte Hempel verschiedene Spielszenen – einmal aus Sicht der Zuschauer und anschließend aus der Perspektive des Schiedsrichters. Oft wurde erst dadurch verständlich, warum Entscheidungen auf dem Platz ganz anders wirken als von der Tribüne.

„Auf dem Platz musst du 90 Minuten Schiedsrichter sein“, sagt Hempel. Eigene Sorgen, Vorurteile oder private Probleme hätten dort nichts verloren. Neutralität und Konzentration seien die Grundlage jeder Entscheidung.

Auch deshalb wirbt er dafür, jungen Schiedsrichtern mehr Wertschätzung entgegenzubringen.

Er freue sich, dass die Zahl der Schiedsrichter zuletzt wieder steige. Dafür würden der DFB und engagierte Vereine wie der FC BSW Lausitz viel tun. Gleichzeitig wünsche er sich, dass Schiedsrichter in den Vereinen noch stärker als wichtiger Bestandteil des Fußballs wahrgenommen werden – mit festen Ansprechpartnern, guter Betreuung und echter Anerkennung.

Für Vincent ist Richard Hempel längst eines seiner großen Vorbilder. Neben Bundesliga-Schiedsrichter Sven Jablonski schaut er sich von ihm vieles ab. Wer Schiedsrichter werden wolle, müsse vor allem Fußball schauen – aber eben mit dem Blick auf den Mann mit der Pfeife.

Ob er selbst eines Tages Bundesliga pfeifen wird?

„Ich möchte so weit kommen, wie es eben geht“, sagt Vincent. Ob Oberliga, Regionalliga oder vielleicht sogar Bundesliga – entscheidend sei für ihn, dranzubleiben und den Spaß nicht zu verlieren.

Und welchen Rat gibt er Jugendlichen, die noch überlegen?

Vincent muss nicht lange nachdenken.

„Wenn du Bock hast, neue Dinge zu lernen, dann mach das. Wenn du dich weiterentwickeln willst, dann mach das. Und wenn du Bock hast, Taschengeld zu verdienen, dann mach das auch.“

Das bestätigten auch Max Köhler und Richard Hempel. Beide sprechen sich dafür aus, wenn man Lust darauf hat, den Weg zu gehen, soll man es machen. Und würde Richard Hempel heute seinem Jüngeren Ich gegenüber stehen, würde er ihm sagen: „Mach genauso weiter, denn es wird sich lohnen!“ Und genau das selbe würde der Verein auch jedem anderen Jugendlichen mit auf dem Weg geben und vielleicht beginnt genau so die nächste Schiedsrichterkarriere aus der Lausitz.

Dieser Text wurde mit Unterstützung einer KI ausformuliert.

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