Seit dem 1. September ist Frank Jurisch Gebler Bürgermeister von Bernsdorf. Für den 52-Jährigen beginnt damit ein völlig neues Kapitel – beruflich wie privat. Bei unserem Gespräch wird schnell deutlich: Er hat sich auf diese Aufgabe gefreut. Und er möchte vor allem eines: etwas bewegen. Gemeinsam mit den Menschen in Bernsdorf und seinen Ortsteilen.
Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen ersten Eindruck prägen. Auf dem Tisch im Büro des neuen Bernsdorfer Bürgermeisters, an dem er mich zum Gespräch empfangen hat, liegt ein kleines Stück Schokolade. Darauf steht: „Schön, dass du da bist.“ Ein freundlicher Empfang – und irgendwie auch ein passendes Bild für den Start von Frank Jurisch Gebler im Bernsdorfer Rathaus. Denn auch für ihn ist vieles neu.
Am 1. September trat er sein Amt als Bürgermeister an. Nur wenige Monate zuvor, im Mai, hatten ihn die Bernsdorferinnen und Bernsdorfer gewählt. Bereits im ersten Wahlgang zeichnete sich eine deutliche Tendenz ab, im zweiten Wahlgang erhielt er schließlich die klare Mehrheit. Und als wäre das noch nicht genug Veränderung für ein Jahr, heiratete er nur eine Woche nach seiner Wahl seine langjährige Lebenspartnerin im Bernsdorfer Rathaus.
Ein Jahr voller neuer Kapitel
Die erste Frage an ihn lautet deshalb: Wie fühlt es sich an, wenn sich innerhalb so kurzer Zeit im eigenen Leben so viel verändert?
Bei der Hochzeit ist seine Antwort ruhig und persönlich. Zwölf Jahre seien er und seine Lebenspartnerin bereits zusammen gewesen. Beide spürten die Zeit war nun gekommen – und es sei ein sehr erfreulicher Schritt gewesen. Nach so vielen gemeinsamen Jahren sei Vertrauen da. „Da war der Schritt folglich richtig.“
Mit dem Bürgermeisteramt wagt sich Herr Jurisch Gebler nun in ganz neue berufliche Gefilde. „Ich habe mich richtig doll darauf gefreut und ich stecke da sehr viel Energie und Herzblut rein.“
Und genau dieses Herzblut scheint für ihn der Schlüssel zu sein.
Vom Betriebsleiter zum Bürgermeister
Bis zu seinem Amtsantritt arbeitete Frank Jurisch Gebler als Betriebsleiter bei den Natursteinwerken Weiland in Schwarzkollm. Dort trug er Verantwortung für rund 90 Beschäftigte.
Auf die Frage, ob er als ehemaliger Mann aus dem Steinbruch denn eher der „harte Typ“ oder doch der „Softie“ sei, antwortete er ziemlich genau, wie er Führung versteht. Das Klischee vom harten Steinbruchtypen sei eben nur ein Klischee. Auch im Steinbruch müsse man Menschen führen, Führungsqualitäten besitzen und gleichzeitig wirtschaftlich denken. Entscheidend sei das Zusammenspiel. „Klar, man muss auch mal Kante zeigen. Andererseits kann ich auch menschlich gut mit den Problemen von Angestellten umgehen.“
Dass ihm der menschliche Umgang mit seinem Team wichtig war, zeigte sich auch bei seinem Abschied. Er erzählt von einer großen Abschiedsveranstaltung. Viele seiner ehemaligen Kollegen hätten es nicht gerne gesehen, dass er gehe. Das dürfte für einen Chef ein ziemlich schönes Abschiedsgeschenk gewesen sein.
„Das Team ist das Allerwichtigste“
Seinen neuen Arbeitsplatz hat er inzwischen gefunden – und offenbar auch schnell das Gefühl bekommen, angekommen zu sein. Besonders betont er immer wieder die Unterstützung durch die Verwaltung und dem Bauhof. „Als Bürgermeister muss man die Richtung vorgeben. Aber trotzdem ist das Team, das hinter einem steht, das Allerwichtigste.“
Schon an seinem ersten Tag wurde er vom gesamten Rathaus-Team empfangen. Gemeinsam saß man zusammen, stellte sich gegenseitig vor und tauschte sich aus. In den kommenden Wochen möchte Herr Jurisch Gebler noch persönliche Gespräche mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen.
Auch den Bauhof lernte er nicht nur vom Schreibtisch aus kennen. Er lud das Team kurzerhand zu einem Maurerfrühstück mit Hackepeterbrötchen und Kaffee ein. Dabei ging es um die Arbeit des Bauhofes, gegenseitige Vorstellungen und natürlich auch darum, wie die Zusammenarbeit künftig aussehen soll.
Eine Sache hat ihn in seinem neuen Amt allerdings überrascht: die Bürokratie.
Dass es so viele gesetzliche Bestimmungen und Vorschriften gibt, habe er in diesem Umfang nicht erwartet. Er liest sich abends weiter in Themen ein – und kann sich dabei auf sein Team verlassen, das ihm die verwaltungstechnischen Zusammenhänge erklärt.
Ein Bürgermeister für ganz Bernsdorf
Eine Sache ist ihm besonders wichtig: Bernsdorf soll für ihn aus mehr bestehen als nur aus dem Stadtzentrum. Er möchte die gesamte Stadt mit ihren Ortsteilen im Blick behalten. Kein Ortsteil soll das Gefühl bekommen, vergessen oder vernachlässigt zu werden. Sein Anspruch ist dabei nicht, mit großen Visionen um jeden Preis etwas Neues zu versprechen. Vielmehr beschreibt er sich selbst als objektiv, praktisch und realistisch. „Ich habe keine absurden Visionen, sondern orientiere mich an dem, was möglich ist.“
Seine Erfahrungen aus der freien Wirtschaft möchte er dabei einbringen – gerade wenn es um den verantwortungsvollen Umgang mit Geld geht. Er beschreibt sich als ehrlichen Menschen, mit dem man „Pferde stehlen kann“. Was er allerdings überhaupt nicht leiden könne, sei, wenn hinter dem Rücken über andere gesprochen werde. „Man kann mir meine Meinung ins Gesicht sagen“, sagt er. „Aber hinter dem Rücken kann ich das auf den Tod nicht ausstehen.“
Politik vor Ort ist für ihn etwas anderes
Frank Jurisch Gebler ist parteilos und bezeichnet sich als politisch neutral. Er möchte mit Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern ins Gespräch kommen. Denn Kommunalpolitik sei für ihn etwas anderes als die große Politik. „Wir wollen doch gemeinsam die Stadt voranbringen.“ Er möchte sich dabei auch nicht von anderen leiten lassen, sondern seinen eigenen Weg finden – immer mit dem Ziel, das Beste für Bernsdorf und seine Ortsteile zu erreichen.
Warum eigentlich Bürgermeister?
Die Frage, warum er sich überhaupt für das Amt entschieden hat, führt schließlich zu einem Menschen, der in seinem Leben eine besondere Rolle spielt: seinem Vater. Frank Jurisch Geblers Vater war viele Jahre Bürgermeister von Wiednitz und zudem war er viele Jahre Bauhofleiter. Sein Tod liegt noch nicht lange zurück. Und genau darin liegt auch ein Stück der Motivation seines Sohnes.
Der entscheidende Entschluss, selbst anzutreten, fiel im Dezember. Nachdem Markus Neumann öffentlich erklärt hatte, nicht als Kandidat zur Verfügung zu stehen, wandte sich Herr Jurisch Gebler an den Vorsitzenden der Freien Wähler und sagte, dass er antreten möchte. Am ersten Tag wurde seine Aussage offenbar noch für einen Scherz gehalten. „Nein, das meine ich ernst.“ Aus dem Gedanken wurde eine Kandidatur – und schließlich das Amt. Dabei geht es ihm nicht darum, einfach nur Bürgermeister zu sein. Er möchte etwas bewegen.
„Ich möchte etwas bewegen, mit den Bürgern zusammen. Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Und das möchte ich für Bernsdorf und die Ortsteile nicht. Ich möchte, dass wir wieder mehr gemeinsam stark werden und vorwärtskommen.“
Vielleicht ist genau das auch die Verbindung zu seinem Vater: nicht einfach in dessen Fußstapfen zu treten, sondern den eigenen Weg zu gehen und dabei etwas von dem weiterzuführen, was ihn geprägt hat. „Ich möchte, dass die Bürger mit mir reden.“ Bürgernähe ist für Herrn Jurisch Gebler kein Schlagwort, sondern soll im Alltag stattfinden. Deshalb möchte er mittwochs auf dem Markt anzutreffen sein. Nicht nur zum Einkaufen, sondern vor allem zum Zuhören. Wo drückt der Schuh? Was beschäftigt die Menschen? Welche Ideen gibt es?
Natürlich könne nicht alles sofort umgesetzt werden. Aber konstruktive Vorschläge wolle er aufnehmen und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Möglichkeiten suchen. Gerade seine Anfangszeit möchte er nutzen, um möglichst viele Menschen persönlich kennenzulernen: in Vereinen, bei den Kindern, bei Seniorinnen und Senioren und überall dort, wo Menschen in Bernsdorf und seinen Ortsteilen zusammenkommen.
Große Fußstapfen schrecken ihn nicht
Mit seinen Vorgängern, allen voran Harry Habel und auch seinem Vater, verbindet sich ein Stück Bernsdorfer Geschichte.
Hat er Respekt vor diesen großen Fußstapfen? Angst habe er davor nicht. Er wisse, worauf er sich eingelassen habe. Es sei eine große Herausforderung – aber genau für diese Herausforderung habe er gekämpft. Und wieder fällt ein Wort, das sich durch unser Gespräch zieht: Herzblut.
Bernsdorf und das Lausitzer Seenland
Auch beim Thema Lausitzer Seenland sieht Herr Jurisch Gebler Möglichkeiten für Bernsdorf. Er sagt selbst, dass Bernsdorf touristisch nicht mit den großen Seenorten vergleichbar sei. Gleichzeitig liege die Stadt mitten im „Speckgürtel“ des Lausitzer Seenlandes – und diese Nähe müsse genutzt werden. Senftenberg, Geierswalde und die gesamte Seenlandschaft liegen direkt vor der Tür. Gemeinsam mit dem Oberbürgermeister von Kamenz möchte er daran arbeiten, Bernsdorf stärker als Teil der Lausitz zu präsentieren. Eine Gelegenheit dafür bietet unter anderem die kommende Europameisterschaft im Radball, die gemeinsam mit Kamenz ausgerichtet wird.
Und wenn Herr Jurisch Gebler selbst einmal am Lausitzer Seenland unterwegs ist, dann genießt er vor allem die Vielfalt der Seen, die Radwege und die Überleiter. Einmal habe er mit Gästen ein Boot gemietet und sei mit ihnen über die Seen gefahren. „Das ist toll, was hier geschaffen wurde.“ Vielleicht brauche es manchmal Gäste von außerhalb, um wieder selbst zu sehen, wie schön die eigene Heimat eigentlich ist.
Sein persönlicher Lieblingsplatz
Wie sieht für ihn eigentlich ein perfekter freier Tag aus? Die Antwort ist erstaunlich unkompliziert. Eine Tasse Kaffee. Die eigene Terrasse. Seine Frau. Die beiden Hunde. Und einfach gemeinsam in den Tag hineinleben und genießen.
Viel Zeit dafür dürfte in nächster Zeit allerdings nicht bleiben. Denn Frank Jurisch Gebler hat viel vor. Und vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Pragmatismus, wirtschaftlicher Erfahrung, Bürgernähe und persönlicher Motivation, die seinen Start im Rathaus so besonders macht.
Zum Schluss stelle ich ihm eine Frage, die noch einmal ganz persönlich wird: Wenn Sie Ihrem zukünftigen Ich in fünf Jahren eine Nachricht schreiben könnten – was würden Sie ihm wünschen?
Seine Antwort sagt eigentlich alles über seinen Anspruch an das Amt. „Dass ich in fünf Jahren immer noch mit erhobenem Haupt durch Bernsdorf und die Ortsteile gehen kann. Dass die Bürger mich immer noch grüßen und sagen: Genau so haben wir uns das vorgestellt.“
Er möchte als Realist in Erinnerung bleiben. Als jemand, der mit den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, etwas für Bernsdorf bewegt hat. Er sagt, er stehe nicht gern im Mittelpunkt. Was ihm stattdessen wichtig wäre, ist ein anderer Satz:
Dass die Menschen irgendwann sagen: Er hat mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, viel bewegt. Er hat die Gemeinschaft zusammengebracht. Er hat etwas geschaffen.
Und dann wäre da noch ein letzter, ganz persönlicher Gedanke: „Wenn die Menschen das sagen, habe ich die richtige Entscheidung getroffen, Bürgermeister von Bernsdorf zu werden.“
Test wurde mit Hilfe von KI ausformuliert.




