Neue Wege und eine Frage der Strategie

Wie Harry Habel nach 21 Jahren im Amt den Terminkalender gegen die Zuschauerrolle tauscht

21 Jahre lang bestimmte der Terminkalender den Alltag von Harry Habel. Sitzungen, Gespräche, Veranstaltungen, Termine und immer wieder neue Herausforderungen gehörten zu seinem Leben als Bürgermeister von Bernsdorf. Nun beginnt für ihn ein neuer Abschnitt: Ab September ist er Bürgermeister a.D. und geht in den Ruhestand.

Zum Abschluss seiner Amtszeit haben wir mit Harry Habel deshalb noch einmal über die großen und kleinen Fragen des Ruhestands gesprochen: über das erste Frühstück ohne Termindruck, mögliche Aufgaben im Haushalt, seine Pläne für die Zukunft – und natürlich darüber, was er seiner Stadt für die kommenden Jahre wünscht.

Herr Habel, wie stellen Sie sich Ihr erstes Frühstück im Ruhestand vor?

„Ich freue mich besonders darauf, diese Zeit endlich ausgiebig gemeinsam mit meiner Frau zu genießen. Ruhig und gelassen. Mit der Zeitung, einem Kaffee, einem weichgekochten Ei und hoffentlich ganz ohne Termindruck.“

Auch im Alltag wird sich für den künftigen Bürgermeister a.D. einiges verändern. Nach 21 Jahren im Amt gilt es nun, eine neue Routine zu finden und sich gemeinsam in den veränderten Tagesablauf einzufinden.

Mit welcher Aufgabe Ihrer Frau müssen Sie jetzt regelmäßig im Haushalt rechnen?

„Ehrlich gesagt ist das für mich Neuland. Bei den Themen Bügeleisen oder Waschmaschinenbedienung bin ich noch ein Anfänger. Meine Frau hat mir da einiges an Erfahrung voraus. Für den Anfang starte ich motiviert als Logistik-Assistent. Bei den Außenanlagen bleibt es bei unserer bewährten Aufteilung: Meine Frau kümmert sich um die kreative Gestaltung und die Pflanzen, während ich die technischen Aufgaben übernehme. Im Großen und Ganzen bleibt unsere Struktur bestehen, aber wir haben jetzt endlich die Zeit, die Dinge entspannt gemeinsam anzugehen.“

Apropos Einkaufen: Wenn Ihre Frau Sie in den Supermarkt schicken würde, um ein Stück Butter zu holen – würden Sie es finden?

„Absolut – das ist schließlich eine Frage der richtigen Strategie! Ich würde das Ganze wie ein neues Projekt angehen: systematisch Gang für Gang analysieren. Und falls die Butter sich im Kühlregal tarnt, scheue ich mich auch nicht, das Fachpersonal um Amtshilfe zu bitten.

Die eigentliche Umstellung liegt ohnehin tiefer. Nach über zwei Jahrzehnten, in denen jede Stunde von Sitzungen, Absprachen und festen Verpflichtungen getaktet war, wird dieser dichte Rhythmus sicher noch eine ganze Weile nachhallen. Es braucht Zeit, um die innere Uhr ganz entspannt auf einen neuen, ruhigeren Alltag einzustellen.“

Wofür nehmen Sie sich in der ersten Woche als Bürgermeister a.D. am meisten Zeit?

„Priorität hat für mich, den Kopf frei zu bekommen und Raum für Neues zu schaffen. Wenn man so lange im Amt war, laufen die aktuellen Projekte und Termine automatisch im Hintergrund weiter. Diese gedankliche Routine darf nun Schritt für Schritt zur Ruhe kommen.

Danach freue ich mich darauf, die gewonnene Zeit flexibel zu gestalten. Ganz oben auf der Liste steht eine Reise nach München, um meinen Sohn und seine Familie zu besuchen – das kam in all den Jahren einfach zu kurz.“

Auch die Frage nach einer neuen ehrenamtlichen Aufgabe wird von Harry Habel zunächst bewusst offengehalten, um die kommenden Pläne ganz entspannt auf sich zukommen zu lassen.

Welches Ehrenamt könnten Sie sich für Ihren Ruhestand vorstellen?

„Ehrenamt? Ab September steht erst einmal die Zeit zu Hause und ein ausgiebiger Urlaub mit meiner Frau im Vordergrund. Aktuell bin ich im Rathaus noch voll gefordert. Alles Weitere wird sich danach finden. Ich habe mir darüber noch keine konkreten Gedanken gemacht und lasse die Dinge entspannt auf mich zukommen. Wo ich gebraucht werde oder sich eine schöne Aufgabe ergibt, wird sich zeigen.“

Ganz aus der Welt wird die Stadt Bernsdorf für den langjährigen Bürgermeister natürlich nicht sein. Auch im Ruhestand wird Harry Habel die Dinge aufmerksam verfolgen – dann allerdings ganz entspannt aus der Zuschauerrolle.

Wie werden Sie sich künftig über die Vorhaben des neuen Bürgermeisters informieren?

„Ich selbst bin einfach nicht der Typ, der ständig am Smartphone aktiv ist oder selbst Beiträge postet, aber ich werde sicher ab und zu mal bei Facebook reinschauen. Viel wichtiger sind mir ohnehin die direkten Begegnungen: Man kennt sich hier in Bernsdorf, läuft sich über den Weg und kommt ins Gespräch. Und die Tageszeitung gehört für mich am Morgen ja sowieso dazu.“

Die vergangenen 21 Jahre im Amt waren für Harry Habel vor allem von diesen echten Begegnungen geprägt.

Welches typische Bürgermeister-Klischee trifft absolut nicht auf Sie zu?

Das klassische Klischee, ein Bürgermeister trinke ja nur Kaffee, ist ständig bei Geburtstagen unterwegs und rede viel, weist er dabei mit einem Augenzwinkern zurück. Natürlich gehört der Kaffee im Rathaus dazu – allerdings primär als Treibstoff für das gesamte Team, um die vielen wichtigen und spannenden Projekte mit viel Engagement erfolgreich auf den Weg zu bringen. Für Harry Habel stand ohnehin nie das bloße Reden im Vordergrund, sondern das Zuhören und der ehrliche, wertschätzende Dialog mit den Menschen auf Augenhöhe.

Ein Highlight für mich waren immer die Geburtstage bei unseren Senioren. Ich freue mich jedes Mal über die Einladung und den herzlichen Austausch.

Dieses Miteinander war für mich immer sehr wichtig. Es ist faszinierend, die Perspektiven der jüngeren Generation zu hören, und ebenso wertvoll sind die Geschichten der älteren Bürger. Da ich ursprünglich nicht aus Bernsdorf stamme, fehlte mir anfangs der historische Bezug. Durch diese persönlichen Gespräche bei den Geburtstagsbesuchen habe ich unglaublich viel über die Identität und Geschichte der Stadt erfahren, was so in keinem Aktenordner zu finden ist.“

Wenn Harry Habel auf seine 21 Amtsjahre zurückblickt, zieht er ein klares Fazit: Bürgermeister ist und war für mich der beste und interessantes Job der Welt.  Ein Bürgermeister kann viele Impulse setzen und Projekte anstoßen – die erfolgreiche Umsetzung ist jedoch immer eine Gemeinschaftsleistung.

Wenn Sie eine unsichtbare Superkraft für die Stadt gehabt hätten: Welche wäre das gewesen?

„Vielleicht eine magnetische Anziehungskraft, um unsere Jugend an ihre Heimat zu binden. Bernsdorf ist aktuell auf einem richtig guten Weg und hat sich zu einer Stadt voller Möglichkeiten entwickelt. Wenn ich eine Superkraft gehabt hätte, dann die, dass unsere jungen Menschen das noch klarer erkennen und sehen, dass sie für eine erfolgreiche Zukunft gar nicht mehr wegziehen müssen.

Es gibt schließlich nichts Schöneres für eine Kommune, als wenn die nächste Generation ihr Wissen, ihre Energie und ihre eigenen Familien genau hier einbringt, wo ihre Wurzeln liegen. Meine Kraft hätte diesen Blick noch stärker geschärft – denn die Perspektiven für die Jugend sind hier längst da und sichern die lebendige Zukunft unserer Stadt für die nächsten Jahrzehnte.“

Wenn Sie Ihre Amtszeit als Film oder Serie beschreiben müssten – welches Genre wäre es?

„Eine spannende Familienserie mit unerwarteten Wendungen! Langweilig wäre diese Produktion garantiert nicht, denn das Drehbuch des kommunalen Alltags ist unheimlich spannend und vielseitig. Wenn man hinter die Kulissen blickt, sieht man erst, in wie viele komplexe Themen wir tagtäglich eintauchen müssen.

Nehmen wir als Beispiel den Bau einer einfachen Brücke: Was da im Hintergrund an Planung, Recht und Logistik dranhängt, ahnt man von außen oft gar nicht. Wenn die Zuschauer diesen tieferen Einblick hätten, würden sie viele Entscheidungen viel besser verstehen. In so einer Serie erlebt man Höhen und Tiefen hautnah – als Kommune steckt man bei positiven Entwicklungen genauso mittendrin wie bei unerwarteten Wendungen und Herausforderungen.

Und das Wichtigste: In dieser Serie gäbe es keinen Solo-Darsteller, sondern ein riesiges Ensemble an Hauptrollen. Ein Bürgermeister kann zwar die Ideen liefern, aber ohne seine Mannschaft im Rathaus, die Ortschaftsräte und den Stadtrat würde keine einzige Szene funktionieren. Es ist eben wie in einer großen Familie – emotional, manchmal turbulent, aber man hält zusammen. Nur dass hier noch eine gute Portion Politik für die nötige Spannung sorgt.“

Zum Schluss bleibt die Frage, was Harry Habel seiner Stadt für die Zukunft wünscht.

Was wünschen Sie der Stadt Bernsdorf?

„Ich wünsche mir von Herzen, dass es für Bernsdorf weiter positiv vorangeht und wir alle optimistisch nach vorne blicken. Die Stadt steht wirtschaftlich und finanziell solide da – mein großer Wunsch ist, dass wir diesen erfolgreichen Kurs beibehalten. Ganz besonders am Herzen liegt mir die Umsetzung des Ankerglaszentrums. Das ist ein echtes Leuchtturmprojekt für die gesamte Region, dass unsere Kleinstadt noch einmal besondere Strahlkraft verleihen würde. Ebenso würde ich mir wünschen, dass die unendliche Geschichte der S-Bahn ein Happy End bringen würde und verwirklicht wird.  

Für die Zukunft wünsche ich allen Bürgerinnen und Bürgern Gesundheit und Zufriedenheit sowie ein offenes, ehrliches Miteinander. Wenn ich zurückblicke, waren die ersten zwei, drei Jahre im Amt natürlich eine anstrengende Zeit der Orientierung. Aber danach hat es einfach nur noch große Freude gemacht. Ich hatte das Privileg, mit fantastischen Mitarbeitern, einem großartigen Stadtrat und wunderbaren Bürgern zusammenzuarbeiten. Was bleibt, ist vor allem tiefe Dankbarkeit und Demut für diese 21 gemeinsamen Jahre.“

Mit dem Abschied aus dem Rathaus beginnt für Harry Habel nun ein völlig neuer Lebensabschnitt. Einer, in dem der Terminkalender nicht mehr im Hintergrund den Takt vorgibt, sondern endlich Raum für die Familie, gemeinsame Reisen und all die Dinge bleibt, die während der langen Dienstjahre zu kurz gekommen sind.

Der Stadt Bernsdorf bleibt er dabei natürlich eng verbunden. Künftig wird man ihn zwar nicht mehr am Schreibtisch im Rathaus antreffen, aber sicher als Gast bei lokalen Festen, beim Einkaufen im Supermarkt oder einfach beim spontanen Plausch auf der Straße. Genau in diesen unbeschwerten Momenten der Begegnung wird er dann – ganz ohne Termindruck aber mit Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit – auf eine prägende und erfolgreiche Zeit als Bürgermeister zurückblicken.

Foto: Stadt Bernsdorf
Dieser Text wurde mit Unterstützung einer KI ausformuliert.

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