Zukunftswerkstatt zum Projekt DRIVE in Bernsdorf

Bürger entwickeln gemeinsam Ideen für die Mobilität der Zukunft

Am vergangenen Samstag fand im Rathaus Bernsdorf die erste Zukunftswerkstatt zum Thema DRIVE statt. Unter der Leitfrage „Moment mal … wo wollen wir eigentlich hin?“ waren Bürgerinnen und Bürger der Stadt sowie der Ortsteile eingeladen, sich an einem gemeinsamen Brunch zu beteiligen und über die Zukunft der Mobilität in Bernsdorf nachzudenken.

Die Einladung stieß auf großes Interesse. Rund 30 Bürgerinnen und Bürger aller Altersklassen folgten dem Aufruf und kamen zusammen, um ihre Ideen, Wünsche und auch Kritikpunkte einzubringen. Moderiert wurde der Workshop von Kristina Barczik und Karin Almer vom WIR-Bündnis ZukunftAlter, die die Teilnehmenden durch mehrere Arbeitsphasen führten.

Ein Projekt mit langer Vorbereitung

Bernsdorf wurde als Pilotstadt für das Projekt DRIVE ausgewählt. Ziel des Projektes ist es, gemeinsam neue Lösungen für eine bessere Mobilität in der Region zu entwickeln und dadurch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern. Aktuell befindet sich das Projekt in der Phase der Bürgerbeteiligung, in der die Ideen und Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner aktiv einbezogen werden.

Denn viele Menschen in Bernsdorf kennen die alltäglichen Probleme:
Seniorinnen und Senioren erreichen ihre Arzttermine nur schwer, weil die Buszeiten nicht passen. Jugendliche wünschen sich mehr Möglichkeiten, um am Wochenende oder in den Ferien beispielsweise nach Dresden oder Hoyerswerda zu fahren. Auch für Berufspendler sind die bestehenden Verbindungen häufig unzureichend.

Alternative Möglichkeiten sind kaum vorhanden. Ein Taxiunternehmen gibt es in Bernsdorf derzeit nicht mehr, und Radwege in die umliegenden Städte – etwa nach Hoyerswerda – fehlen weitgehend. Somit bleibt der Bus als nahezu einziges öffentliches Verkehrsmittel, das jedoch den Bedürfnissen vieler Einwohner nicht gerecht wird. Besonders an Wochenenden und in den Ferien verschärft sich die Situation zusätzlich, da aus einigen Ortsteilen teilweise gar keine öffentlichen Verkehrsmittel verkehren.

Auftakt mit Grußworten und vielfältigen Perspektiven

Der Workshop begann um 10 Uhr mit einer Begrüßung durch die Projektverantwortlichen sowie einem Grußwort von Bürgermeister Harry Habel.

Die Teilnehmenden spiegelten ein breites Spektrum der Stadtgesellschaft wider. Mehr als die Hälfte der Anwesenden waren Schülerinnen und Schüler der Oberschule, daneben nahmen zahlreiche Seniorinnen und Senioren, Berufspendler sowie Vertreter regionaler Unternehmen teil.

In mehreren Gruppenarbeiten ging es anschließend darum herauszufinden, wo genau die Bedürfnisse der Menschen liegen und welche Wünsche sie für die Zukunft haben. Aufgabe des Projektes wird es nun sein, aus diesen Ideen realisierbare Lösungen zu entwickeln.

Der Projektname DRIVE steht dabei für die Leitprinzipien:
Digital – Regional – Innovativ – Verbindlich – Engagiert.

Brunch sorgt für Stärkung und Austausch

Damit der Austausch auch in entspannter Atmosphäre stattfinden konnte, hatte das Team des Mehrgenerationenhauses Bernsdorf ein umfangreiches Buffet vorbereitet. Die Teilnehmenden wurden liebevoll mit zahlreichen belegten Schnitten – herzhaft und süß –, Obst- und Gemüseplatten sowie Kartoffelsalat mit Würstchen versorgt. Kaffee und Säfte sorgten zusätzlich für die nötige Energie während des intensiven Workshops.

Phase 1: Kritikphase – Was läuft derzeit schlecht?

Die erste Arbeitsphase war bewusst als Kritikphase angelegt. In vier altersgemischten Gruppen konnten die Teilnehmenden offen aussprechen, was sie im Alltag rund um das Thema Mobilität stört. Sorgen, Ängste und Frustrationen sollten hier bewusst Platz bekommen.

Dabei zeigte sich schnell ein klares Bild:

  • Jugendliche wünschen sich bessere Verbindungen am Abend und in den Ferien, um Freizeitangebote wahrnehmen zu können.
  • Seniorinnen und Senioren benötigen zuverlässige Möglichkeiten, um Arztbesuche oder größere Einkäufe zu erledigen.
  • Berufspendler vermissen eine bessere Bahnanbindung nach Dresden sowie sichere und ausgebaute Radwege in die umliegenden Orte.
  • Schulen und Institutionen sehen Schwierigkeiten, Bildungsfahrten oder Exkursionen in der Region zu organisieren.

Ein weiterer häufig genannter Punkt war der fehlende Zugang zu den Freizeitmöglichkeiten des Lausitzer Seenlandes. Zwar sind dort viele Radwege hervorragend ausgebaut, doch von Bernsdorf aus ist der Weg dorthin oft schwierig.

Auch das Thema Barrierefreiheit wurde mehrfach angesprochen. Viele Teilnehmer betonten, dass hier in Bernsdorf noch großer Verbesserungsbedarf besteht.

Unternehmer Herr Haink brachte ein praktisches Beispiel aus dem Arbeitsalltag:
„Unsere Spätschicht endet um 22 Uhr, aber der letzte Bus nach Hoyerswerda oder Kamenz fährt bereits um 20 Uhr.“

Jugendliche berichteten zudem von ihrer starken Abhängigkeit von den Eltern, während viele Teilnehmer aus den Ortsteilen vor allem die fehlenden Anbindungen kritisierten.

Phase 2: Von der Kritik zu positiven Visionen

Nachdem alle Probleme gesammelt waren, ging es in der zweiten Phase darum, zentrale Themenfelder zu definieren. Die Teilnehmenden einigten sich auf vier Schwerpunkte:

  • Fahrradverkehr
  • Bildungsreisen
  • Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel
  • weitere Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr

Aus diesen Themen sollten anschließend positive Zukunftsslogans entwickelt werden, die die Wünsche der Teilnehmer auf den Punkt bringen.

Dabei entstanden vier kreative Leitideen:

  • „Unser Takt – unser Bus“
  • „Gut und günstig von A nach B“
  • „Bernsdorfer entdecken die Welt – unterstützt von regionalen Unternehmen“
  • „Bernsdorf – barrierefreie Fahrradstadt. Von Bernsdorf in die ganze Republik – sicher mit dem Fahrrad.“

Phase 3: Die Utopiephase – Mobilität im Jahr 2040

In der nächsten Phase wurde es besonders kreativ. Die Moderatoren baten alle Teilnehmer, ihre Stühle zu einem imaginären Bus zusammenzustellen. Mit geschlossenen Augen begaben sich die Teilnehmenden auf eine gedankliche Traumreise in das Jahr 2040. Die Frage lautete: Wie sieht Mobilität in Bernsdorf in der Zukunft aus?

Anschließend sollten die Gruppen ihre Visionen mit kreativen Materialien umsetzen – mit Knete, Stiften, Maiskörnern und Lego.

Dabei entstanden zahlreiche fantasievolle Ideen:

  • Kostenlose Bildungstickets für Schülerreisen
  • Busse, die Schulen und Institutionen für Ausflüge nutzen können
  • ein vollständig vernetztes barrierefreies Radwegenetz in der Region
  • eine besonders kreative Vision: Rutschen aus allen Ortsteilen ins Zentrum von Bernsdorf, von wo aus man schnell in alle Richtungen weiterreisen kann

Andere Gruppen entwickelten mit Lego-Modellen ihre Vorstellungen zukünftiger Busmobilität.

Phase 4: Realisierungsphase – konkrete Wege festlegen

Zum Abschluss ging es darum, die Visionen wieder auf die Realität herunterzubrechen. Jede Gruppe erhielt eine Landkarte von Bernsdorf, auf der wichtige Wege und Ziele eingezeichnet werden sollten.

Dabei zeigte sich ein deutliches Muster: Besonders häufig wurden Wege zu

  • Arztpraxen
  • dem Stadtzentrum
  • Kitas und Schulen
  • sowie zum Mehrgenerationenhaus

markiert. Gerade innerhalb der Stadt stellen diese Wege für viele Menschen derzeit eine Herausforderung dar.

Bürger wünschen sich schnelle Fortschritte

Am Ende der Zukunftswerkstatt wurden die wichtigsten Forderungen zusammengefasst. Besonders wichtig war den Teilnehmenden, regelmäßig über den Fortschritt des Projektes informiert zu werden und möglichst bald erste Verbesserungen zu sehen.

Welche Lösungen letztendlich umgesetzt werden können, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Alle Ideen, Vorschläge und Forderungen aus der Zukunftswerkstatt werden nun ausgewertet.

Ob die zukünftige Lösung eher digital organisiert wird, über neue Verkehrsangebote oder vielleicht über innovative Mischformen – das wird sich im weiteren Projektverlauf zeigen.

Eines wurde jedoch deutlich:
Die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich vor allem eine bessere Mobilität für Bernsdorf und seine Ortsteile – und zwar für Menschen aller Altersgruppen.

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