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Personenzuglokomotive 38 2267 aus Wiednitz fährt in Bochum weiter

Es ist eine beeindruckende Reise, die die Personenlokomotive 38 2267 hinter sich hat. Die Lok wurde im August 1918 nach Erfurt ausgeliefert. Ihr Weg führte sie von Erfurt nach Leipzig und am 17. November 1981 nach Wiednitz. Zwischendurch verbrachte sie ihre Dienste in Weißenfels, Aalen, Darmstadt, Saalfeld, Eisenach und Gotha, um nur einige Stellen aus ihrem Lebenslauf zu nennen.

Ende 1971 wurde die Lok mit einer bemerkenswerten Gesamtleistung von 2.011.252 Km im Lokschuppen Katzhütte ausgemustert und abgestellt.

Am 5. September 1980 bekam die Lok ein neues Leben geschenkt – sie wurde nach Wiednitz überführt. Welche Rolle die Lok in Wiednitz hatte, schildert Thomas Mansfeld von der Interessengemeinschaft Heide. „Zu DDR Zeiten befand sich in Heide bei Wiednitz eine Ausbildungsstätte der Deutschen Reichsbahn. Zur Unterbringung der Lehrlinge wurde damals ein fünfstöckiger Neubaublock errichtet. Dieser befand sich direkt gegenüber der damaligen Brikettfabrik Heide. Natürlich wurde für die Studenten dort auch ein Jugendclub errichtet. Nicht irgendeiner, nein die DR ließ – standesgemäß für angehende Eisenbahner – am 17. Nov. 1981 eine alte Dampflok und 3 Waggons direkt vor dem Neubaublock aufstellen. Bilder vom Aufstellen der Lok Anfang der 80er-Jahre finden sich zuhauf im Heide-Archiv von Karl-Heinz Weigel.

Nach der Wende wurde die Lok jedoch verkauft und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Merkwürdigerweise gab es vom Abtransport bisher keine Fotos. Niemand wusste, wo die Lok verblieben ist. Nachdem vor einigen Jahren auch der Wohnblock abgerissen wurde und an dieser Stelle nur noch eine Wiese war, schien es, als wäre ‚Gras über die Sache gewachsen‘ und das Rätsel um den Verbleib der Lok bliebe ungelöst.“

Herr Weigel mit Original Fotos:
Bild: Thomas Mansfeld

Doch das Rätsel wurde gelöst! 

Durch einen Zufall bekam das Heide Team, das sich um die Geschichte der ehemaligen Bergbausiedlung kümmert, einen Tipp vom ehemaligen Hausmeister des Wohnblocks, der damals, nach der Wende, auch als Aussiedlerheim diente. Er verwies auf die Nummer auf der Vorderseite der Lok und meinte, dass man damit im Internet etwas finden könnte. Und so war es auch. Die Lok wurde gefunden. Sie befindet sich heute im Besitz des Eisenbahnmuseums in Bochum.“ So, Thomas Mansfeld.

Herausgefunden wurde, dass Mitglieder der DGEG auf die P8 Anfang der 1990er-Jahre aufmerksam wurden. Sie kauften die Lok 1991 und am 18. und 19. Oktober 1991 wurde die Lok mit zwei Autokränen und dem Tender vom Denkmalsockel gehoben und auf einen Spezialtieflader geladen. Über Hoyerswerda wurde die Lok auf Schienen nach Meiningen überführt. Hier wurde sie aufbereitet und betriebsfähig nach Bochum überführt.
Im April 1997 wurde die Lok modernisiert. Ihr wurde ein Zugbahnfunk und Indusi eingebaut. Damit konnte sie auch auf Strecken der DABAG eingesetzt werden.
Im März 2000 hatte die Lok Fristablauf und wurde mit Unterstützung des Landes NRW zu einer Hauptuntersuchung in Meiningen gebracht.
2002 nahm die Lok am „Festival der Eisenbahn“ in Nürnberg teil, bevor sie im Herbst 2006 wegen eines Stehbolzenschadens außer Betrieb gesetzt wurde.
Drei Jahre später wurde sie wieder aufgearbeitet und fahrbereit gemacht. Im Jahr 2011 beschloss die DGEG, das Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhauen in eine Stiftung umzuwandeln und übertrug das Eigentum der „Personenzuglokomotive 38 2267“ an die Stiftung Eisenbahnmuseum Bochum. Im Mai 2015 wurde die Lok als Ersatz für eine andere Lok, welche zur Reparatur war, vom Verein Eisenbahntradition Lengerich eingesetzt. Hier hatte sie noch einmal einen großen Auftritt. Sie wurde anlässlich des 40. Geburtstags des Zirkus Roncalli bespannt.
Im Oktober 2017 liefen die Einsatzfristen der Lok ab und die Lok wurde in Bochum wieder aufgearbeitet. Seit Mai 2023 fährt die Lok wieder, grunderneuert und frisch gestrichen.

Im März 2023 war Herr Mansfeld beruflich in Bochum und verband seinen Termin mit einem Besuch im Museum. Herr Mansfeld nutzte die Gelegenheit, um Fotos und Videos von der Lok zu machen und mit nach Wiednitz zu bringen. Einige Eisenbahnfreunde empfingen den Gast aus der Lausitz und berichteten ihm Geschichten vom Abholen der Lok 1991.
Auf Nachfragen zum Verbleib der Waggons gab es für Herrn Mansfeld eine große Überraschung. Zwei der drei Waggons, die damals dem Jugendclub Heide gehörten, wurden kurz nach dem Abtransport weiterverkauft. Nur ein Waggon ging mit nach Bochum und auch der ist noch im Einsatz. Er steht heute bunt gestaltet als Werbeträger vor dem Star Light Musical Center in Bochum. Wer sich das Musical „Star Light Express“ in Bochum ansieht, wird von dem Waggon aus Wiednitz empfangen.

Bilder: Thomas Mansfeld

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