Manchmal braucht es nur ein Ja – und ganz viele Herzen

Ben ist vier Jahre alt, ein kleiner Junge mit einem großen Herzen und einem Lächeln, das berührt. Er hat das Downsyndrom und sieht die Welt auf seine ganz eigene, besondere Weise. An seiner Seite ist Anne, seine Mama. Sie hat Ben adoptiert, ihn bewusst gewählt und liebt ihn mit einer Stärke, die jeden Tag neu wächst. Ihr Alltag ist geprägt von Nähe, Geduld, Therapien – und von Herausforderungen, die man oft erst erkennt, wenn man selbst davorsteht. Wenn Anne und Ben zu Kuren fahren, ist das kein leichter Ausflug. Ein großer Buggy, viele Hilfsmittel und jede Menge Gepäck gehören immer dazu. Schon Ende letzten Jahres begann Anne, Geld für ein Auto zu sammeln, das den Bedürfnissen ihres Sohnes gerecht wird und ihnen ein Stück Sicherheit und Freiheit schenken kann. Sie schrieb unzählige Stiftungen an, erhielt viele Absagen, aber auch drei Zusagen, die Hoffnung machten. Doch das Geld reichte nicht aus.

Also wagte die Bernsdorfer Erzieherin den nächsten Schritt und startete ein Crowdfunding. Anfangs verlief es schleppend, begleitet von Unsicherheit und der leisen Frage, ob man überhaupt gesehen wird. Erst durch die Berichterstattung von mein-Bernsdorf und der Sächsischen Zeitung kam Bewegung hinein. Menschen hörten von Ben und Anne, halfen, teilten, spendeten. Und doch ist bis heute noch nicht einmal die Hälfte der benötigten Summe zusammen.

Doch Unterstützung zeigt sich nicht nur in Zahlen. Manchmal kommt sie in Form eines Menschen, der hinsieht und handelt. Kerstin Hüber hatte von Anne und Ben gehört und die Berichte gelesen. Für sie war klar: Hier muss geholfen werden – und hier kann geholfen werden. Kerstin arbeitet im Restaurant Speicher No.1 in Hoyerswerda, wo regelmäßig Konzerte stattfinden. Sie erinnerte sich an ein Benefizkonzert von Mister Panik, das sie einmal erleben durfte, und daran, wie viel man mit vergleichsweise wenig Aufwand bewegen kann. Dieser Gedanke ließ sie nicht mehr los. Mit ihrer Idee ging sie zu ihrem Chef Micha, und seine Antwort war eindeutig: Wenn, dann im Speicher. Damit war die Entscheidung gefallen – es wird ein Benefizkonzert für Ben geben.

Kerstin kontaktierte Anne, „Ich habe da eine Idee, du musst nur Ja sagen“, sagte sie. Anne wusste in diesem Moment kaum, was geschieht. Dass fremde Menschen so etwas für sie und ihren Sohn auf die Beine stellen wollen, berührte sie tief. „Das alles für mich und meinen Sohn“, sagte sie später, „ich bin unendlich dankbar.“ Sie sagte Ja, und Kerstin begann zu organisieren.

Ben ist seit langer Zeit in Therapie bei Claudia Röder im Gesundheitszentrum Bernsdorf. Dort kennt man ihn gut, weiß, was ihm guttut – und weiß auch, dass Musik für ihn etwas ganz Besonderes ist. Ben ist ein großer Santiano-Fan. Wenn diese Musik läuft, geht er auf, taucht ab in seine eigene Welt, findet Ruhe und Freude. Über frühere Auftritte im Speicher bestand bereits Kontakt zur Santiano-Coverband Nordstern. Kerstin rief dort an, erklärte die Situation – und die Band sagte sofort zu. Auch der Künstler Mister Panik, ein Udo Lindenberg-Double, zögerte keine Sekunde. Beide Bands erklärten sich bereit, ohne Gage aufzutreten. Ein Termin wurde gefunden, Pläne wurden konkreter, aus einer Idee wurde Realität.

Doch damit nicht genug. An diesem Abend wird es eine Versteigerung von besonderen Künstlergeschenken geben – Erinnerungsstücke, die Musiker bei früheren Auftritten im Speicher hinterlassen haben. Darunter befindet sich unter anderem ein signiertes Buch von Sky du Mont. Nordstern bringt zudem etwas ganz Einmaliges mit: Während ihrer Winterpause ist ihr erstes eignes Album entstanden, das beim Benefizkonzert zum allerersten Mal öffentlich gespielt wird. Ein exklusiver Moment, der diesen Abend zusätzlich besonders macht. Fans aus Leipzig und Regensburg haben sich bereits angekündigt.

Der Speicher No.1 trägt alle entstehenden Kosten selbst, um Anne und Ben bestmöglich zu unterstützen. Die Versorgung der Künstler, die Künstlersozialversicherung, die GEMA-Gebühren und sogar der Kartendruck werden vollständig vom Speicher NO 1 übernommen. Jeder einzelne Euro aus dem Kartenverkauf fließt direkt in das Auto für Anne und Ben. Die Eintrittskarten kosten 29,90 Euro, es gibt 110 Plätze, und die Karten sind ausschließlich direkt im Speicher NO 1 während der Öffnungszeiten erhältlich. Am Konzerttag ist ab 17 Uhr geöffnet, es kann gegessen werden, der Konzertbeginn ist um 20 Uhr, und der Abend wird etwa zwei bis drei Stunden dauern.

Zusätzliche Unterstützung kommt Feldschlösschen. Sie spenden zwei Fässer Feldschlösschen, welche von Hubauer ausgeliefert werden. Der Erlös aus dem Verkauf geht zu 100 Prozent an Ben. Auch das Autohaus Elitsch in Kamenz hilft mit: Dort steht bereits ein passendes Fahrzeug für die kleine Familie bereit, behütet und zurückgehalten, bis die benötigte Summe vollständig zusammengekommen ist.

Im April geht es für Anne und Ben zur Kur Richtung Hamburg. Bis dahin hoffen alle, dass das Ziel erreicht wird. Dieses Benefizkonzert am 7. März 2026 ist mehr als nur Musik. Es ist ein Zeichen dafür, was entsteht, wenn Menschen hinschauen, zusammenhalten und aus Mitgefühl Handlung wird. Für Ben. Für Anne. Und für die Gewissheit, dass niemand diesen Weg allein gehen muss.

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