Wenn Liebe, Mut und ein bisschen Karnevalsmagie zusammenkommen, dann entstehen Geschichten wie diese: Leonie (22) und Eddie (24), das Prinzenpaar von Bernsdorf, stehen in der 73. Saison des BKC nicht nur als Prinzessin und Prinz auf der Bühne – sondern als Familie, als Team und als echtes Herzenspaar.
Die beiden sind Eltern eines kleinen Sohnes, Henri, der im Februar ein Jahr alt wird. Dass sie sich trotz jungem Familienglück auf dieses besondere Amt eingelassen haben, zeigt: Karneval ist mehr als Glitzer und Konfetti – er lebt von Menschen, die ihn mit Herz füllen.
Leonie war früher selbst Teil der Juniorenfunken im BKC, ist später aus dem Verein ausgetreten. Eddie hingegen hatte bisher kaum Berührungspunkte mit dem Karneval. Umso überraschender kam die Anfrage: Über einen Freund aus dem BKC wurde Eddie gefragt, ob er sich vorstellen könne, Prinz zu werden. Seine erste Reaktion? Zögerlich. „Ich muss erst meine Frau fragen.“
Gesagt, getan. Er erwischte Leonie im Bad, während sie sich für den Tag fertig machte. Als er ihr von der Anfrage erzählte, brach pure Freude aus: Leonie sprang aufgeregt durchs Bad, lachte, strahlte – und wusste sofort: „Das ist es.“
„Ich wollte schon immer mal Prinzenpaar sein“, sagte sie. „Aber man geht da ja nicht hin und fragt – man muss gefragt werden.“
Während Leonie sich auch in Zukunft gut vorstellen kann, wieder aktiver und vielleicht sogar im Vordergrund mitzuwirken, sieht sich Eddi eher im Hintergrund. Mit einem Augenzwinkern sagt er: „Ich bin keine Rampensau wie Leonie.“
Leonie arbeitet als Kinderkrankenschwester auf der Kinder-ITS in Dresden und wird nach ihrer Elternzeit dorthin zurückkehren und Eddie ist Koch – beides Berufe, die genauso viel Herz verlangen wie das Prinzenamt.

Prinzenpaar kann übrigens jeder werden. Ihre Aufgabe ist es, die Veranstaltungen zu eröffnen und die Karnevalssaison offiziell zu repräsentieren. Bekannt gegeben wird das Prinzenpaar traditionell bei der ersten Veranstaltung im November – bis dahin wissen nur zwei Personen, wer es ist.
Mit einem kleinen Budget ausgestattet, entschieden sich Leonie und Eddie, ihr Hochzeitsoutfit in Grün aufzupimpen. Mit viel Liebe zum Detail entstand so ihr Kostüm – passend zum Motto der diesjährigen Saison:
„Beim BKC im Federbett – da wird die Party richtig fett!“



Auch die Rede gehört zum Amt. Leonie schrieb sie passend zum Thema Bett – humorvoll und charmant. Da Eddie zur Auftaktveranstaltung krank war, baute sie kurzerhand ein, dass der Prinz „krank vor Liebe im Bett liegt“. Karneval eben: herzlich, witzig und nahbar.
Ein besonderer Moment jeder ersten Veranstaltung ist die Übergabe des Narrenstabs an den Prinzen. Dieser darf ihn nie aus der Hand geben – höchstens an die Prinzessin. Gelingt es den Vereinsmitgliedern, den Stab zu stehlen, wird es teuer: ein bis zwei Saalrunden müssen gezahlt werden.
„Zum Glück ist uns das noch nicht passiert“, lacht Leonie. „Da braucht man eine Menge Geld.“
Der bisher schönste Moment für die beiden? Ganz klar: die vielen Komplimente.
„Wenn man für seine Arbeit so gelobt wird, das ist schon etwas ganz Besonderes“, sagen sie. Vor allem für die Kostüme, in die sie viel Zeit und Mühe gesteckt haben, bedeutet der Zuspruch unglaublich viel.
Bis auf die Kostüme entstehen dem Prinzenpaar keine Kosten – Getränke werden übernommen. Dabei sind sie unter anderem beim Kinderfasching und natürlich beim großen Umzug, auf den sie sich am meisten freuen. Dort werden sie in einer Kutsche vorfahren und als Prinz und Prinzessin strahlen.
Ein besonders emotionaler Moment wird der Umzug auch wegen Henri sein: Leonies Opa war viele Jahre im BKC aktiv und hat früher selbst Kostüme genäht. Für Leonies Onkel schneiderte er einst einen Anzug mit Kappenhut – genau diesen wird Henri beim Umzug tragen. Er darf gemeinsam mit seinen Eltern auf dem Wagen mitfahren. Ein generationsübergreifender Moment voller Stolz und Tradition.
Da der kleine Henri natürlich an erster Stelle steht, können Leonie und Eddie nicht immer bis zum Schluss der Veranstaltungen bleiben. „Zum Glück haben wir die Omas“, sagen beide dankbar. „Ohne sie könnten wir das nicht machen.“
Auch wenn sie aktuell keine Vereinsmitglieder sind, bewundert Leonie das, was der BKC jedes Jahr auf die Beine stellt: die aufwendigen Schauspiele, die Kulissen, die Liebe zum Detail. „Da steckt so viel Herzblut drin – das ist einfach toll.“
Die Vorbereitung für das Amt war überschaubar, das Aufwendigste ganz klar die Kostüme.
„Ich hatte dieses Jahr nur zwei Wochen Zeit – das war sehr sportlich“, erzählt Leonie. „Das Kostüm ist am Tag des ersten Auftritts um 17 Uhr fertig geworden.“
Zampern, Kinderfasching, Weiberfasching sowie Umzüge in Königsbrück, Rammenau und Bernsdorf – insgesamt fünf Veranstaltungen und drei Umzüge stehen für die beiden auf dem Plan. Und langsam wird ihnen klar: Bald ist es vorbei.
Schon jetzt wissen sie, dass sie diese Zeit vermissen werden.
Zum Abschluss hat Leonie noch eine klare Botschaft:
„Wer Lust auf Karneval hat, soll den Weg in den BKC finden. Es macht unglaublich viel Spaß und jeder wird gebraucht. Und wer einmal Prinzenpaar sein möchte – traut euch, gebt ein Zeichen.“

Und so bleibt am Ende nur eine Frage offen:
An wen wird der Narrenstab wohl nächstes Jahr weitergegeben?
Foto: Leonie und Eddie




