Es ist früher Nachmittag am 4. Februar, als sich neun aufgeregte Grundschulkinder auf den Weg machen. Noch auf dem Schulhof sprudeln die Fragen durcheinander, die Augen leuchten, die Vorfreude ist greifbar. Heute geht es für sie nach dem Unterricht mit dem Ganztagsangebot Große Meister zu EDEKA Schäfer nach Bernsdorf. Abgeholt werden die Kinder von Projektleiterin Anika Noack. Schon auf dem Weg wird deutlich: Dieser Ausflug wird für die Kinder etwas Besonderes.
Der Besuch bei EDEKA ist Teil des Projekts Große Meister, das vom Strukturwandelprojekt TRAFO initiiert wurde. Ziel ist es, Kinder frühzeitig für unterschiedliche Berufsfelder zu begeistern und ihnen praxisnahe Einblicke in den Arbeitsalltag regionaler Unternehmen zu ermöglichen. Nicht theoretisch aus dem Lehrbuch, sondern direkt vor Ort – dort, wo gearbeitet wird.
Bei EDEKA angekommen, werden die Kinder herzlich von Frau Müller und Frau Seibt empfangen. Nach dem Ablegen der Jacken im Pausenraum geht es direkt dorthin, wo Kundinnen und Kunden sonst keinen Zutritt haben: in den Personalbereich. Ein erstes Highlight wartet bereits – der Raum der Überwachungskameras. Spannend und kindgerecht wird erklärt, wie der Markt gesichert ist und welche Verantwortung damit einhergeht. Schon hier bekommen die Kinder einen ersten Überblick über die vielen Bereiche, die in einem Supermarkt zusammenwirken.

Genau hier setzen die Projekte Kleine Meister und Große Meister an. Während die Kleinen Meister“bereits seit vielen Jahren erfolgreich in den Vorschulgruppen laufen, wurde das Projekt zu Beginn des neuen Schuljahres 25/26 weiterentwickelt. Die Großen Meister richten sich gezielt an Kinder im Grundschulalter und werden als Ganztagsangebot an Schulen umgesetzt. Eine feste Gruppe trifft sich regelmäßig für jeweils 90 Minuten am frühen Nachmittag, besucht ortsansässige Unternehmen und übernimmt dort altersgerechte, praktische Aufgaben.





Anschließend geht es in den Verkaufsraum, genauer gesagt in die Obst- und Gemüseabteilung. Hier lernen die Kinder nicht nur die Aufgaben einer Verkäuferin kennen, sondern auch den Unterschied zwischen dem Beruf der Verkäuferin und dem der Einzelhandelskauffrau beziehungsweise des Einzelhandelskaufmanns.
Die Kinder stellen viele Fragen:
Was sind die wichtigsten Aufgaben im Alltag?
Was unterscheidet Bio-Ware von konventionellen Produkten?
Was passiert mit Lebensmitteln, die nicht verkauft werden?
Wann ist die verkaufsstärkste Zeit bei EDEKA?
Welche Arbeitsmittel braucht man täglich – und warum muss eigentlich immer alles auf das Kassenband gelegt werden?



Geduldig und anschaulich beantworten Frau Müller und Frau Seibt jede einzelne Frage. Besonders eindrucksvoll wird es, als die Kinder das Lager, die Kühlzellen mit Temperaturen von 8, 5 und sogar minus 21 Grad sowie den Pfandautomaten von der „anderen Seite“ besichtigen dürfen. Auch die Warenanlieferung und der Weg der Verpackungen werden gezeigt – inklusive eines Containers mit integrierter Presse für die Pappe. Einblicke, die sonst verborgen bleiben und den Kindern den Arbeitsalltag greifbar machen.





Nach rund einer Stunde haben die Kinder nicht nur den Beruf des Verkäufers kennengelernt, sondern auch verstanden, wie vielfältig die Berufsfelder in einem Fachmarkt sind. Sie erfahren etwas über Einsatzgebiete, Aufstiegsmöglichkeiten und darüber, wie viele unterschiedliche Berufe in einem Markt wie EDEKA zusammenarbeiten müssen, damit am Ende alles reibungslos funktioniert.
Das Projekt hat auch einen theoretischen Teil. In Vorbereitungsgesprächen wird das Vorwissen der Kinder erfasst und auf die Praxisbesuche eingestimmt. Nach jedem Unternehmensbesuch finden Auswertungstreffen statt, in denen das Erlebte reflektiert, zusammengefasst und gefestigt wird. Daraus entstehen mediale Produkte, mit denen die Kinder anderen Gleichaltrigen die kennengelernten Berufe vorstellen. Den Abschluss bildet eine Kinderberufsmesse, auf der die Kinder ihre Erfahrungen Mitschülerinnen, Mitschülern, Eltern und Geschwistern präsentieren.
In diesem Schuljahr wird das Projekt Große Meister bereits von mehreren engagierten Unternehmen aus Bernsdorf und Umgebung unterstützt. Dazu zählen die Naturheilpraxis Römer, EDEKA Schäfer, GMB, Grötschel GmbH sowie der Pflegedienst Haink. Sie alle öffnen den Kindern ihre Türen, geben Einblicke in ihre Arbeitswelt und zeigen auf anschauliche Weise, wie vielfältig die beruflichen Möglichkeiten in der Region sind. Durch dieses Engagement wird das Projekt lebendig und praxisnah – und die Kinder erleben, wie spannend und greifbar Berufswelt schon im Grundschulalter sein kann.
Der Hintergrund dieses Engagements ist ernst: Der Fachkräftemangel in der Lausitz wird sich in den kommenden Jahren drastisch verschärfen. Prognosen zufolge werden bis 2040 rund 100.000 Fachkräfte fehlen. Umso wichtiger ist es, früh anzusetzen und Interesse für regionale Ausbildungsberufe zu wecken.
(Quelle: www.wirtschaft-in-sachsen.de/de/ihk-chef-2040-fehlen-in-der-lausitz-100-000-fachkraefte/)
Projektleiterin Anika Noack betont:
„Bernsdorfer Unternehmen engagieren sich im Projekt Große Meister, weil sie damit junge Menschen fördern, ihre Berufszweige vorstellen und somit den Fachkräftenachwuchs unterstützen. Durch ihr regionales Engagement stärken sie den Standort Bernsdorf und tragen zur Zukunftsfähigkeit des Arbeitsmarktes bei.“
Auch Claudia Schermann, Geschäftsführerin der Bäckerei Ermer in Bernsdorf, sieht den Mehrwert deutlich:
„Wenn ein Kind von den Kleinen Meistern später einmal bei mir als Lehrling anfängt, habe ich schon gewonnen – dann hat sich der Aufwand gelohnt.“
Das Projekt TRAFO, ein Strukturwandelprojekt der RAA Sachsen e. V. im Mehrgenerationenhaus Bernsdorf, versteht sich dabei als Bindeglied zwischen Schule und Wirtschaft. In den Bereichen Bildung, Wegweiser Arbeitsmarkt und Gemeinwesen entstehen gemeinsame Projekte, die Schülerinnen und Schüler frühzeitig mit der Berufswelt in Kontakt bringen und Unternehmen einen direkten Zugang zu jungen Menschen vor Ort ermöglichen.
TRAFO hat hierfür Materialien und Werkzeuge entwickelt, um das erfolgreiche Konzept der Großen Meister auch auf andere Schulen, Orte und Gemeinden zu übertragen. Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die Interesse an diesem Projekt haben, können sich für Gespräche und Beratung an Anika Noack von TRAFO wenden.
Kontakt: E-Mail: anika.noack@raa-sachsen.de, Telefon und Whats App: 0174 / 24 63 6 20



So wird aus einem spannenden Nachmittag bei EDEKA mehr als nur ein Ausflug – er wird zu einem wichtigen Baustein für die Fachkräfte von morgen und zu einer starken Verbindung zwischen Wirtschaft und Schule in Bernsdorf und der Lausitz.




